LIVE: Bilderbuch Top, Publikum Flop

Meine Lieblingswiener Bilderbuch haben am Freitag das Berliner Astra durchgeschüttelt. Das größte Konzert, das sie bisher außerhalb von Festivals spielten. Das machte sich (leider) auch am Publikum bemerkbar…

Vergangenen Freitag haben sie also ihr neues Album SchickSchock den Berlinern um die Ohren gebrettert. Musikalisch vielleicht kein hochgradiges Meisterwerk, aber abwechslungsreich, äußerst tanzbar und vor allem wieder mit cleveren Texten. Ich war so mit ausrasten, mithüpfen und Popo kreisen beschäftigt, dass ich total vergaß, Bilder und Videos zu machen. Upsi.*

Die Performance

Sänger Maurice Ernst ist eine Rampensau. Die Witz- und Charmebombe ganz gemäß Wiener Schmäh reißt jeden im Raum einfach mit. Michael Krammer ist als „Zweitprotagonist“ (wie ich finde) ein Ausnahmetalent an der Gitarre; denn er feuert nicht einfach nur derbe Riffs ab, er setzt sich dabei auch noch unglaublich gut in Szene.

Diese beiden in Kombination schaffen ein fetziges Live-Erlebnis, das sie von vielen Bands unterscheidet. Sie stellen eine Verbindung zum Publikum her und schaffen es, dass auch die letzte Reihe voll dabei ist.

Das Publikum

Trotz der tollen neuen Songs fand ich das Konzert in der kleinen Location besser, aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Je größer die Halle, umso unpersönlicher wird es – und umso mehr komische Leute stehen im Publikum, die nur wegen der Singleauskopplung dort sind und die alten Songs nicht kennen und schlimmstenfalls nicht mögen. So war das leider auch hier der Fall. Eine Crew von Mainstream-Typen, die keine Ahnung welche Musik hören und keine Ahnung in welche Clubs gehen, haben tatsächlich die alten Songs ausgebuht. Ja, ausgebuht! Pfui an euch.

Aber das ist wohl der Preis, wenn man seinen Stil auf Masse auslegt. Von Teenie-Mädchen über Indie Boys in den Zwanzigern bis hin zu Enddreißgern war alles vertreten, die genaue Zielgruppe der Band ist schwer zu greifen.

Ich habe Bilderbuch vor knapp einem Jahr in der schnuckelig kleinen Berghain Kantine gesehen, damals hatten sie die EP „Feinste Seide“ und  ihren beiden alten, rocklastigeren Alben im Gepäck. An diesem Abend hat mich diese Band gekascht. Und das Publikum, bestand gefühlt nur aus „Indie-Hipster-Dudes“ (ihr wisst schon) und einer Hand voll Musikjournalisten.

Aber als ich im Astra die Beatsteakes und Miss Platnum in der Crowd mittanzten sah, hat mich das wieder versöhnt. Bilderbuch haben es einfach drauf.

* Vielen Dank an Jan Konopka für dieses Video auf YouTube! 

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