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Mein Abenteuer WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH

Klong! Schon 2026? Krass. Ich torkele nach einer unsanften Landung aus meiner Zeitkapsel. Seit Anfang 2022 war ich in den Jahren 1994 bis 2002 unterwegs und arbeitete mit meinem Technoclubroman WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH eine legendäre Ära rund um das Stammheim in Kassel auf. Leider musste ich feststellen, dass die Welt seit dem Beginn meiner Reise noch ein bisschen hässlicher geworden ist. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Auf jeden Fall sagte Valentin Kopetzki kürzlich zu mir: „Die Welle deines Buchs ist nun ziemlich geritten, oder?“ Mehr als sechs Monate nach dem Erscheinen hat er das äußerst treffend formuliert. Nun treibe ich etwas orientierungslos auf dem Ozean des Daseins herum und hoffe, dass mir kein Hai ein Bein anknabbert.

Dieses Buch hat mich verdammt viel Zeit und Geld gekostet, doch ich wurde reich belohnt. Nicht etwa monetär – wo kämen wir denn da hin, wenn Indie-Autorinnen vom Schreiben leben könnten … tztztz, nein. Doch meine Honorierung für dieses Buch ist ohnehin wertvoller als Zaster, Flocken, Piepen und Moneten. Ich habe mich in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang gestürzt und keinen einzigen Tag davon bereut. Ganz im Gegenteil, ich möchte gern noch eine weitere Etappe nehmen und das Hörbuch von WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH einlesen.

Mein Trip begann mit dem Buchcover

Bis zum Sommer 2023 recherchierte, konzipierte und plottete ich allein vor mich hin und sprach nur mit Freunden über mein Buchprojekt, wegen dem ich meine Festanstellung an den Nagel hängte. Mit der Kontaktaufnahme zu Bringmann & Kopetzki wurde es offiziell – nun gab es kein Zurück mehr. Mutig fragte ich die Stammheim-Legenden für ein Interview an – und ob sie mein Buchcover zeichnen würden.

Die beiden waren ab Stunde Null für die Werbung des Clubs zuständig und verliehen ihm mit ihrem hedonistischen Humor und Maskottchen Ravelinde ein unverwechselbares Gesicht. Sie schalteten Anzeigen wie die Verrückten, flyerten über das ganze Land und zogen Technofans aus allen Ecken ins nordhessische Kassel – und machten das Stammheim populär. Nicht zuletzt auch durch ihren Hotze-Comic in der GROOVE.

Zunächst begegneten mir Jens Bringmann und Valentin Kopetzki mit einer gesunden Portion Skepsis, doch nach einer Leseprobe und dem Exposé sagten sie zu. Nach und nach wurden sie zu den wichtigsten Weggefährten meines Buchprojektes. Sie nahmen sich Zeit für Interviews und tausend kleine Rückfragen zwischendurch, zeigten mir Fotos und sendeten mir alte Heimpost-Ausgaben (der Newsletter, der damals noch PER POST versendet wurde). Grundlegende Fakten, spannendes Insiderwissen und krasse Storys habe ich von diesen beiden. Als sie dann auch noch den Big Floor des Stammheims als Buchcover zeichneten und einen Blurb für den Buchrücken texteten, konnte ich stolzer und glücklicher nicht sein.   

»Coming of Age in einem der wildesten Clubs der 90er: eine Zeitreise mit Gänsehautgarantie für alle ehemaligen Heimkinder!« – Bringmann & Kopetzki

Daneben erhielt ich prominente Unterstützung von den Residents Chi und Stefan Küchenmeister, die sowohl bei der Recherche als auch bei den Lesungen eine elementare Rolle spielten. Von Chi erhielt ich außerdem einen weiteren Blurb:

»Dieser Roman schickte mich auf eine Achterbahn der Gefühle und katapultierte mich zurück in die Stammheim-Zeit.« – DJ Chi

Und mit Stefan Küchenmeister stieg ich in die Salzmannfabrik ein, die damals seit 20 Jahren mehr oder minder ihrem Schicksal überlassen wurde. Seit 2025 ist ein neuer Investor am Hebel und hat kürzlich mit den Umbauarbeiten begonnen.  

Als ich nach all der Zeit zum ersten Mal die Treppen ins zweite Obergeschoss hinaufstieg und die heiligen Hallen des Stammheims betrat, wehte mir der Feierschweiß meiner Jugend entgegen. Szenen und Emotionen blitzten auf, als wäre alles erst gestern gewesen. Die Pilgerstätte für Heimkinder, wie wir Fans und Stammgäste uns nennen, war natürlich längst ausgeräubert und mit vielen Botschaften an den Wänden versehen.   

Stammheim war nicht nur ein Technoclub. Stammheim ist ein Gefühl

Und genau darin lag die größte Herausforderung. Dieses Gefühl und die Einzigartigkeit des Clubs in Worte zu fassen, den verrückten Vibe und die wahnsinnige Begeisterung für das Stammheim und alles, was damit zu tun hatte, auszudrücken. Diese Leidenschaft brennt bis heute in den Heimkindern; wir tragen den Spirit des Stammheims in unseren Herzen – das habe ich spätestens nach der Veröffentlichung am eigenen Leibe erfahren.  

In den drei Jahren, in denen ich an WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH arbeitete, fragte ich jede:n, der oder die meinen Weg kreuzte und wenigstens einmal im Stammheim war: „Was ist das Erste, woran du dich erinnerst?“ Ausnahmslos allen schoss direkt eine Geschichte in den Kopf.

Diese Storys machen neben den Interviews einen wichtigen Baustein aus: Authentizität. Es war mir wichtig, Erlebnisse und Gefühle von unterschiedlichen Menschen und Perspektiven zu erzählen. Darüber hinaus wollte ich auch die Jahre vor meiner Stammheim-Zeit beleuchten, die ab 1999 begann. Die Szene hatte sich seit 1994 verändert und ich war Teil einer neuen Generation, die in die Clubs schwappte.

WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH ist eine Hommage an das Stammheim und seine Heimkinder – und eine Liebeserklärung an die Technoszene der Millennials

Vom Stammheim (oder Aufschwung Ost, wie der Club bis 1996 hieß) hat wohl nahezu jeder Technofan in Deutschland seinerzeit mindestens gehört. Allein das ist Grund genug, ihm ein Denkmal zu setzen. Ich bin froh, dass ich dabei sein durfte – und die Chance hatte, das Stammheim ein Stück für die Nachwelt festzuhalten. Dieser Ort hat mich und viele andere fürs Leben geprägt.

Die Idee zum Buch hatte ich Anfang 2002 auf einer der letzten Partys kurz vor der Schließung. 20 Jahre später wurde es zur Mission, und ich war bereit, diese Challenge zu accepten. Ehrlicherweise hatte ich keine andere Wahl, es war wie ein Baby, das zur Welt gebracht werden musste. Als mir das klar wurde, überlegte ich ein weiteres Jahr, ob eine Dokumentation oder ein Roman die passende Erzählform ist. Am Ende ist es eine Mischung aus beidem geworden: ein Tatsachenroman.

Vom Spiel mit Fiktion und Realität

Oder: Eine (fast) wahre Geschichte und ein wilder Technoclub in Kassel zur Jahrtausendwende

Strobo, Nebel, Hitze, Schreie, Techno – das ist die Welt von Charlotte, die 1999 in die Clubszene eintaucht und süchtig wird nach Blitzlichtgewitter, wummernden Bässen und wilden Partys. Wie viele andere nimmt sie dafür den weiten Weg bis ins Stammheim nach Kassel auf sich: eine vibrierende Enklave für Musiknerds, Feierwütige, Verrückte und Freigeister, die dort in einer Parallelgesellschaft leben. Sie nennen sich Heimkinder, ihr Stamm ist der Technoclub in der Salzmannfabrik, ihr Kult ist Hedonismus. Mit ihren besten Freunden, von denen Charlotte in einen unsterblich verliebt ist, flieht sie vor einer scheinbar vorgezeichneten Zukunft, verliert sich in durchtanzten Nächten, fliegt hoch und fällt tief … bis sie lernt, auf ihren eigenen Beat zu hören. 

WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH ist ein Tatsachenroman über Freundschaft, Identität und den Freiheitsdrang einer Subkultur am Puls der Jahrtausendwende. Er erzählt die Geschichte des legendären Stammheims, gespickt mit echten Storys und Erinnerungen von Gästen, DJs und Betreibern – eingebettet in den Soundtrack einer Zeit, in der nur der nächste Exzess zählte.

Soweit der Klappentext.

Die Romanfiguren sind inspiriert von echten Menschen, die ich wie Frankensteins Monster miteinander vermischt und mit einer Glasur aus Fantasie überzogen habe. Sie erleben neben fiktiven auch jene wahren Storys, die mir im Rahmen meiner Recherche erzählt wurden – neben meinen eigenen. Der Roman ist eingebettet in reale Ereignisse wie echte Partys, Line-ups, Clubdekos, Flyer und Heimpost-Texte, aber auch in historische Ereignisse wie das Millennium, 9/11 und die Euroeinführung.

Die real existierenden Helden des Stammheims kommen natürlich auch im Roman vor. Allen voran Pierre Blaszczyk, das musikalisches Herz des Clubs. Zehn Jahre nach der Schließung verstarb er plötzlich und wurde selbst zur Legende. Ihm habe ich mein Buch gewidmet.

Ein weiterer Baustein des Technoclubromans: der Soundtrack

Von Anfang an war klar: Ein Buch über das Stammheim und die Technoszene braucht einen Soundtrack. Am Ende wurden es 60 „Scheiben“ (wie wir damals synonym zu Tracks sagten), die wichtig für die Szene und/oder typisch für das Stammheim waren – und mit der Geschichte um Charlotte und ihre Freunde verwoben sind.

Diese musikalische Komponente hat sich als überraschend wichtiges Puzzleteil erwiesen und hat den Leserinnen und Lesern einen zusätzlichen Schubser in die Zeit des Romans versetzt.

Der Soundtrack als YouTube-Playlist:

Natürlich sind es viel, viel mehr Tracks, die in unseren Köpfen nachhallen und beim Hören eine Gänsehaut auslösen. Deshalb gibt es eine Playlist zum Buch und hier einen Link zu Markys Lost Tapes mit Live-Mitschnitten aus dem Stammheim.

Ganz besonders freue ich mich über die Playlisten von Chi, Valentin Kopetzki und Fish, die für uns ihre ganz persönlichen Stammheim-Tracks aus ihren damaligen Plattenkoffern kuratiert haben. 﫶

Mit der Veröffentlichung erreichte mein Abenteuer seinen Höhepunkt – und schlug eine ungeahnte Richtung ein

Kurz vor dem Erscheinen des Taschenbuchs hatte ich eine limitierte Sonderedition als Hardcover mit ein paar Specials produzieren lassen: zusätzliche Illustrationen von Bringmann & Kopetzki, ein Lesezeichen, das Cover-Artwork als Stammheim-Flyer und ein Fotoposter vom Big Floor von Silvester 2001.

100 händisch durchnummerierte und signierte Bücher. Hoffentlich werde ich sie los, dachte ich mir. Und dann waren sie am 25.05.25 binnen zwölf Stunden ausverkauft. Völlig überrumpelt atmete ich kurz durch – und beschloss, 250 weitere zu bestellen. Auch die zweite Auflage war innerhalb weniger Tage vergriffen. Es folgten Wochen, in denen ich von früh bis spät Widmungen in Bücher schrieb, Kartons faltete, Poster rollte und zur Post schleppte (danke an dieser Stelle an alle helfenden Hände!).

Nach dem Erscheinen des Taschenbuchs am 06.06.25 war ich ganze vier Monate in der Topliste von Books on Demand, wurde von der GROOVE interviewt und vom FazeMag supported, war bei meinem Lieblingsradiosender FluxFM zu Gast und bekam unzählig viele Nachrichten von Heimkindern. Die Reaktionen übertrafen sämtliche Erwartungen.

Die vergangenen Monate gleichen einem Fiebertraum, und ich kann kaum glauben, was seither alles passiert ist … aber das geschah nicht, weil ich ein Meisterwerk der Literatur in den Äther gegossen habe – sondern weil WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH scheinbar einen Nerv getroffen hat. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach ein wenig Unbeschwertheit in der heutigen Zeit. Und bei den Heimkindern natürlich die große Liebe zu ihrem Club.

„Danke für dieses Buch“, „Der Roman hat mich so abgeholt, es kamen ganz viele Erinnerungen hoch“, oder „Es kommt mir vor, als würde ich die Romanfiguren persönlich kennen“, aber auch „Ich war zwar nie im Stammheim, aber bei uns in StadtX/ClubY war es genauso“ waren Sätze, die ich immer wieder hörte.

Natürlich bekam ich auch negatives Feedback, das bleibt nicht aus. Doch mit all dem positiven Wind in den Segeln konnte ich glücklicherweise gut damit umgehen. Eine schöne Beschwerde war, dass manche nach dem Lesen im Bett nicht schlafen konnten, weil sie Lust auf Feiern hatten.

Ich bin mehr als glücklich, dass WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH einigen Leserinnen und Lesern mehr gegeben hat, als sie „nur“ zu unterhalten. Was will man mehr als Autorin?  

Und dann kamen die Lesungen

Auch wenn ich beim Gedanken daran, auf der Bühne zu stehen, Schnappatmung bekam, wollte ich eine Buchpremiere feiern. Ich meine, hey, ein Buch über Techno, da muss es doch eine Party geben! Dank einer Freundin ging unverhofft die Tür zum KATER auf und ich konnte mein Glück kaum fassen. Zusammen mit der FAMILIENFEIER, die erfolgreich Partys mit Stammheim-DJs in Kassel schmeißt, organisierte ich dort die Premierenlesung mit After-Show-Party.

Schon während der Planung war klar: Es muss auch eine Premiere in der Stadt her, in der der Roman hauptamtlich spielt. Also stieg eine Woche später die K(r)assel-Edition – die um ein Haar auch noch in der Salzmannfabrik stattgefunden hätte (wäre nicht zwei Tage vorher ein Dach eingestürzt). Uff.

Aus den Premierensausen ergab sich eine unerwartete kleine Lesetour im Frankfurter MOMEM, eine weitere in Kassel und in meiner Heimatstadt Aschaffenburg. Am Ende war jeder Abend unfassbar aufregend für mich und ein – auch wenn es abgedroschen klingt – unvergessliches Erlebnis.

Die Lesungen fanden mit Licht und Nebel in passender Clubatmosphäre auf Tanzflächen statt. Im DJ-Booth an meiner Seite stand jedes Mal ein echter Stammheim-Resident: Stefan Küchenmeister, Chi oder Fish spielten Tracks während der Lesung ein und legten im Anschluss auf. Ich zeigte Fotos, erzählte Anekdoten und trug als Glücksbringer immer ein originales Kleidungsstück von damals.

Die Lesungen waren die Krönung meines Abenteuers und führten mich letztendlich zum nächsten Schritt: das Hörbuch von WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH einzulesen.

Da ich (wie beim Buch auch) keinen Verlag im Rücken habe, plane ich ein Crowdfunding dafür. Trage dich bei Interesse am Hörbuch gern hier in den Mailverteiler ein. Ich würde mich riesig über deine Unterstützung freuen!

Die Moral von der Geschicht`

WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH hat mich Grenzen überschreiten lassen. Ich habe gelernt, dass man den Schritt ins Ungewisse wagen sollte, wenn man etwas wirklich will. Wenn man sich bewegt und mit Leidenschaft dabei ist, können ungeahnt schöne Überraschungen an der nächsten Ecke warten.

Und ich weiß nun, dass ich weitere Bücher schreiben möchte.

Falls auch du ein Herzensprojekt mit dir herumträgst, möchte ich dich ermutigen, es anzugehen. Egal, was dabei vielleicht auf der Strecke bleibt: Das Gefühl, es geschafft zu haben, ist unbezahlbar.

Danke an alle, die mich bis hierhin bei meinem Abenteuer begleitet und unterstützt haben! ❤️
Es geht mit dem Hörbuch hoffentlich noch ein bisschen weiter.


Artikelfoto: Stolz wie Bolle mit WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH vor der Salzmannfabrik am 6. September 2025


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