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Wie ich es schaffte, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören

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Am 30. September 2021 rauchte ich meine letzte Zigarette – und habe seither keine mehr angerührt. Ich war nicht einmal kurz davor. Immer wieder werde ich gefragt, wie ich es geschafft habe und bis heute keinen Jieper danach verspüre. Es mag abgedroschen klingen, aber: Ich wollte es einfach. Dennoch war es ein langer Prozess.

Die britische Regierung hat nun verabschiedet, dass ab 2009 geborene Menschen niemals Tabakwaren werden kaufen dürfen. In Deutschland kann ich mir ein derart radikales Gedankengut in der Politik kaum vorstellen, nicht zuletzt wegen der starken Tabaklobby. Trotzdem wird die Luft für Rauchende immer dünner, und zwar nicht nur im körperlichen Sinn. Immer mehr Raucherbereiche werden eliminiert, selbst hartgesottene Raucherkneipen sterben aus, und auch (die meisten) Clubs ziehen das Verbot durch. Und hier in Berlin leben Raucher:innen im Vergleich zur restlichen Republik noch im Schlaraffenland in Sachen Nichtrauchergesetz.

Hinzu kommt, dass die Spezies „Raucher“ bald auf der Liste der bedrohten Arten zu landen scheint. Darüber hinaus erscheint es mir so, dass immer weniger Menschen Lust haben, sich dem Gestank auszusetzen und, im Falle eines Bar-Besuchs, am nächsten Tag einen Kater vom Passivrauchen zu haben. Und, machen wir uns nichts vor: Rauchen ist nicht mehr cool. Du merkst, worauf ich hinaus will: Die Zeichen stehen günstig, diese lästige, teure und überaus unnötig ungesunde Angewohnheit endgültig aus seinem Leben zu verbannen.

Tipp 1: Den Gedanken im Hirn säen – Ich WILL mit dem Rauchen aufhören

Die mentale Vorbereitung auf Tag X dauerte bei mir Jahre. Doch der Gedanke, dass mich jede Kippe faktisch Lebenszeit kostet, mir außerdem auf den Magen schlägt und ich morgens davon husten muss, haftete nach und nach jedem einzelnen Lungenzug an. Viel zu teuer ist es sowieso. Als ich mit ü30 studieren ging, stieg ich aus monetären Gründen von Filterkippen auf Drehtabak um. Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Quit, auch wenn ich mir dessen zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst war …

Was mir in dieser Phase bewusst wurde: Als Rauchender ist man Geisel seiner Sucht. Nähert sich das Päckchen dem Ende, steigt die Nervosität, sofern nicht unmittelbar für Nachschub gesorgt werden kann. Egal, wo man hingeht, der Tabak muss mit. Reisen oder Tage, an denen man lange nicht qualmen kann, werden zur Zerreißprobe. Wo drinnen das Rauchen verboten ist, muss man sich bei Wind und Wetter erbärmlich vor die Tür quälen, um seinen Suchtdruck zu lindern.

Tipp 2: Dran bleiben – Ich WERDE mit dem Rauchen aufhören

Mit der Zeit wurden die Kippen, die ich rollte, immer kleiner – ist ja schon ein bisschen wie Aufhören, redete ich mir ein. Ganz konnte ich es noch nicht lassen; zu sehr hatten sich vermeintliche Gewohnheiten der Lebensqualität manifestiert: zum Kaffee, zum Bier, in einer Arbeitspause und vor allem nach dem Essen genüsslich eine zu paffen.

Da ich immer wieder darüber sprach, dass ich IRGENDWANN mit dem Rauchen aufhören werde, schenkte mir eine Freundin ein Buch, die es selbst einmal damit schaffte (aber zwischenzeitlich wieder rückfällig wurde). Du ahnst vielleicht, welches: „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr. Es ist wirklich amüsant geschrieben und führt mit (britischem) Humor und einer gesunden Portion Selbstironie dem Lesenden vor Augen, wie beknackt Rauchen doch eigentlich ist. Carr formuliert es erschreckend einfach und hat damit erschreckend recht. Dennoch ging mir bei nicht einmal der Hälfte des Buches die Luft aus, und es versauerte für locker ein weiteres Jahr auf meinem Nachttisch. Bis zu jenem schicksalhaften Moment, in dem ich mich beim Packen meiner Urlaubstasche spontan dazu entschied, es mit nach Fuerteventura zu nehmen.

Dort blieb es jedoch bis fast zum Ende des Urlaubs: in meiner Tasche. Bis mein Freund krank wurde und wir nicht zum Strand fahren konnten. Nachdem ich mich den halben Vormittag in unserer Finca im Nirgendwo ohne Telefon und Internet von rechts nach links gerollt hatte, erinnerte ich mich an das Buch. Ich machte es mir auf einer Sonnenliege (im Schatten) gemütlich und las es in einem Rutsch durch. Danach beschloss ich, hier und jetzt die letzte Zigarette meines Lebens zu rauchen.

Tipp 3: Die letzte Zigarette mit einem Ritual verbinden

Ich drehte mir eine (normal große) Kippe, holte eine eiskalte Limettenlimo aus dem Kühlschrank und setzte mich für diesen letzten Akt in die gleißende Sonne Fuerteventuras. Ich wusste ganz genau, dass es kein großes Vergnügen werden würde. Der Schweiß rann mir den Körper hinab und mein Kopf drohte zu platzen. Doch ich zwang mich, das Ding komplett zu rauchen. Nach getaner Arbeit ging es mir entsprechend elend. Ich spülte den ekligen Geschmack mit einem großen Schluck Zuckerwasser hinab, nahm meinen Tabak, die Papers, die Filter und das Feuerzeug und warf alles in den Abfalleimer.

… Okay, ich gebe zu, dass ich vor dem Loslassen innehielt. Auf der Insel gab es meinen Tabak nicht. Wenn ich das jetzt in den Essensresten vom Frühstück versenke, ist es vorbei, wurde mir bewusst. Over.

Dann ließ ich los.

Abends fuhr ich den Müllbeutel zur Müllstation, um ganz sicher zu sein, dass ich mich in einem schwachen Moment nicht doch noch umentscheide würde.

Es fühlte sich komisch an: Als ich an diesem Morgen aufstand, wusste ich nicht, dass ich abends zur Nichtraucherin werden würde.

Tipp 4: Stark sein – und die ersten Veränderungen bewusst genießen

Tags darauf hätte ich mir in den Arsch beißen können: Schon die Zigarette zum Kaffee nach dem Frühstück fehlte mir wie Mayo auf den Pommes. Zum Glück hatte mein Freund bereits mit dem Rauchen Schluss gemacht und verführte mich somit nicht dazu. Und auch, dass wir uns noch für ein paar Tage entweder an einem (windigen) Strand oder in unserer Finca aufhielten, half mir beim Durchhalten. Ich wurde nicht mit dem Rauchen konfrontiert.

Zurück im Alltag musste ich die schwerste Prüfung ablegen: ein Kippchen für eine kurze Arbeits- und Denkpause zu nutzen. Rückblickend betrachtet waren das (neben der Zigarette zum Bier) die härtesten Situationen. Doch ich fand einen Weg, mich auszutricksen: Wenn es wieder einmal drückte und es mir brennend nach einer Pausenkippe verlangte, ohne die ich gefühlt nicht mehr hätte weiterarbeiten können, stand ich auf – und tat so, als würde ich eine rauchen. Nur tat ich es eben nicht. Ich ging raus, lief ein paar Mal im Kreis und setzte mich wieder an den Schreibtisch. Der Kampf mit der Kippe zum Bier wurde mir insofern erleichtert, dass es „Dank Corona“ im Winter 2021/2022 kaum bis keine Möglichkeiten gab, in einer Bar oder einem Club zu versacken.

Meine größte Angst vor dem Aufhören war, an Gewicht zuzulegen. Diese Sorge war jedoch völlig unbegründet. Ich habe weder mehr genascht noch hatte ich Heißhungerattacken vom fehlenden Nikotin. Ich habe einfach nicht mehr geraucht und diese Tätigkeit durch nichts anderes ersetzt.

Stattdessen stellte sich schon nach wenigen Wochen ein: kein Husten mehr am Morgen, mehr Geschmack beim Essen, besser atmen können, mehr Kohle und keine Zwänge mehr … Freiheit! Es fühlte sich großartig an. Bis heute. Ich kann es jeder und jedem nur empfehlen, diesen Schritt zu gehen.

Gibt es eine Anleitung, mit dem Rauchen aufzuhören?

Das ist meine Geschichte, wie ich es geschafft habe, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich glaube nicht, dass es diesen einen Weg gibt, der bei jedem funktioniert. Aber es gibt Hilfestellungen, die einem die Hand reichen: von Büchern über Hypnose, Akupunktur, Nicht-Raucher-Seminare oder Apps. Was du jedoch wirklich brauchst, ist der 100-prozentige Wunsch, Zigaretten für immer aus deinem Leben zu streichen.

Rauchen war für mich für viele Jahre Lebensstil und hedonistisches Ritual, aber am Ende vor allem Abhängigkeit und Zwang. Ich kann nicht oft genug betonen, wie glücklich ich bin, diesen Scheiß losgeworden zu sein. Es fehlt mir überhaupt nicht – weder beim Arbeiten noch in der Freizeit noch nach einem guten Essen.

Der Wandel zur Nichtraucherin dauerte Jahre, das Aufhören an sich zog ich ganz spontan durch – ohne mich auf einen bestimmten Tag oder das berühmte letzte Päckchen festzulegen.

Falls du auch aufhören willst, wünsche ich dir den absoluten Willen dazu. Dann schaffst du es auch! Tu es am besten gleich heute.


Das Artikelfoto wurde mit KI generiert (Canva).


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