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Wenn dein Job MEHR ALS FEIERN ist

ARD Kultur hat eine Publikumsaktion für Clubs und Clubkultur gestartet – und ich darf daran mitarbeiten 🩷 Bei MEHR ALS FEIERN sind wir dazu aufgerufen, eine „Liebeserklärung an den Club“ abzugeben. Gesucht werden Anekdoten, Erinnerungen und Emotionen aus den Clubs aller Genres und Generationen. Hat euch ein Club besonders geprägt? Habt ihr im Nachtleben etwas Unvergessliches erlebt? Warum ist Clubkultur wichtig für euch? Das sind die zentralen Fragen der Aktion, die noch bis Ende 2026 läuft.

Zugegebenermaßen dödelte ich nach meinem Abenteuer WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH noch ein wenig herum und tat mir schwer, wieder in meinen Job als Content-Storytelling-Konzeptions-äh…Dings zurückzufinden. Und dann ging unverhofft eine sprichwörtliche Tür auf, die beides miteinander verband: meinen Beruf und Clubkultur. Die Tür, von der ich gehofft hatte, dass sie aufgehen würde. Seit dem Sommer bin ich nun also Teil des Teams von MEHR ALS FEIERN und freue mich wie ein Schnitzel, mich beruflich damit beschäftigen zu dürfen, was mich privat interessiert. In diesem Fall ist es weit mehr als das, denn Clubs sind ein wichtiger Teil meines Lebens. „Ach was, das hätte ich ja nun wirklich nicht gedacht“, denkt ihr euch wohl gerade (nicht).

MEHR ALS FEIERN gehört zur Kampagne Welcome to the Club, in der mit einigen wirklich coolen Dokus und Podcasts ein Spotlight auf deutsche Clubgeschichte geworfen wird. Dort findet sich auch ein Videopodcast, bei dem ich 2022 durch einen glücklichen Zufall mitgearbeitet habe: 2 on the Floor – Westbam +1.

Warum MEHR ALS FEIERN?

Wir leben in einer Zeit, in der es Clubs schwer haben. Die Kosten explodieren, Gäste bleiben aus und die Verdrängung aus den Innenstädten schreitet stetig voran. Das sind nur drei der dunklen Wolken, die über einer jahrzehntelang gewachsenen Clublandschaft hängen. Für mich war die Pandemie der Beginn einer Abwärtsspirale. Natürlich war es – zumindest in der Technoszene – 2019 längst nicht mehr so gülden wie in den Neunzigern oder Nullern. Doch rückblickend war es fast schon paradiesisch im Vergleich zu heute.

Das Herz der Clubszene schlägt in Berlin, keine Frage. Bei MEHR ALS FEIERN geht es auch um Clubs außerhalb der Hauptstadt und nicht nur um Technoclubs. Ein (sub-)kulturelles Angebot ist gerade in kleinen Städten und ländlichen Regionen super wertvoll, sei es mit elektronischer Musik, Rock, Hip-Hop oder anderen Genres.

Deshalb finde ich die Aktion so schön: Sie macht deutlich, wie wichtig Clubs aller Couleur sind – für das intensive Erleben von Musik, für die Erweiterung des eigenen Horizonts und für den Umgang miteinander. Und wir alle können einen Teil zur Aktion beitragen, indem wir unsere Story mit ARD Kultur teilen.

Was Clubs damals wie heute bieten 

Clubs sind sicherlich keine heile Welt und absolut nicht für jede oder jeden geeignet (ebenso wenig wie ich auf das Oktoberfest gehen würde). In Clubs treffen Menschen aufeinander, die ihren Musikgeschmack, meist eine gewisse Einstellung und definitiv den Spaß am Ausgehen teilen. Ich weiß nicht, wie es in den Clubs anderer Musikrichtungen aussieht, aber im Techno war die Clubszene für mich immer auch eine Gesellschaftsutopie – mit gemeinsamen Werten wie freiheitlichem Denken, Toleranz und Weltoffenheit. Auf der Tanzfläche ist es doch eigentlich scheißegal, wer du bist, was du hast und woher du kommst. Weil es einfach nicht wichtig ist.

Natürlich hat sich diese „Gesellschaft“ seit 1999 (aka seitdem ich in Clubs gehe) stark gewandelt. Doch ich bin überzeugt davon, dass eines bis heute geblieben ist: Clubs können etwas auslösen, was einen nicht mehr loslässt. Man kann dort Freunde fürs Leben finden und der nächtliche Exzess kann berauschende Gefühlswelten eröffnen – persönlich sowie kollektiv. Bis heute ergreifen mich magische Momente auf der Tanzfläche, die mich daran erinnern: Ja, genau das ist es. Gute Musik laut hören und körperlich spüren, den Alltag loslassen und mit den anderen im Club das Chaos der Welt da draußen vergessen. Das Hier und Jetzt genießen.

MEHR ALS FEIERN passt in unsere Zeit, in der wir gesellschaftlichen, politischen und technischen Umbrüchen ausgesetzt sind, die einem Übelkeit in der Magengegend bereiten. Wir sollen ackern wie die Blöden, gleichzeitig werden Grundbedürfnisse wie Essen und Wohnen immer teurer. Zu allem Überfluss hängen wir viiiiiel zu viel am Handy und werden vor allem auf Social Media mit KI-Slop, menschlichem Nonsense und polarisierenden Inhalten zugeballert, bis uns der Kopf platzt. Ganz zu schweigen vom Thema Klimawandel … Deshalb ist es eine tolle Geste, unseren Lieblingsclubs einfach mal dafür zu danken, dass sie uns Zuflucht vor dem Wahnsinn dieser Welt bieten.

Meine Liebeserklärung an den Club

Mit meinem Roman WIR WAREN SCHALL UND RAUSCH habe ich ja quasi bereits eine rund 400-seitige Liebeserklärung an das Stammheim in Kassel abgegeben. Eine der schönsten Erkenntnisse aus meiner Buchveröffentlichung: Man fühlt sich bis heute mit den Menschen verbunden, die diesen Club erlebt haben. Ganz egal, ob man sich damals kannte – der Spirit steckt in einem drin und knüpft ein unsichtbares Band, das sich vermutlich niemals lösen wird.

Eine zweite Liebeserklärung möchte ich dem Berghain machen. Als ich Mitte der Nuller zum ersten Mal dort war, war es noch unter dem Radar der Öffentlichkeit. Ich war sofort geflasht von diesem energievollen Ort. Natürlich flirrt heute ein ganz anderer Vibe durch das monumentale Gemäuer, auch „The Church“ ist vor Veränderungen nicht gefeit. Trotzdem ist das Berghain für mich nach wie vor die Ikone der Nacht, Bastion der Freiheit und Heimat für Hedonisten. Danke für all das.

Die Nacht schreibt die besten Geschichten. Welche ist deine?

🔗 ardkultur.de/mehralsfeiern

Teilnahmeschluss ist der 31.12.2026


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